Konzept

(in)habitanCITY

Wohn(t)räume, Utopien, Urbanismus und der ganz normale Raumkonsum

Simone Kraft

Wohnen – jeder tut es, jeder hat eine Vorstellung davon, ein Idealbild sowieso. Jeder wohnt.

Wohnen ist Kulturgut.

Wohnen ist Konsumgut. Dies beginnt mit dem Bauen oder Mieten von Räumlichkeiten, geht über das Ausstatten des Innenraums nach eigenen Wünschen, und reicht bis hin zum Verkaufen von Häusern und Wohnungen.

Wohnen ist heiß umkämpft. Denn Wohnen ist nicht nur Privatsache, sondern auch öffentliches Thema. Die Gestaltung von (Lebens-)Raum beschäftigt Architekten und Stadtplaner, Politiker, Bauspekulanten, Investoren … Trotz mäßiger Konjunktur legt die Baubranche derzeit zu. Und dies, obwohl die Wirtschaftskrise mit dem Platzen der Immobilienkrise in Nordamerika gleichsam ein „Gesicht“ bekommen hat.

Auch in Böblingen melden Zeitungen entsprechende Zahlen. Das Thema Neubebauung Flugfeld ist aktuell, Wohnraum für junge Familien soll entstehen, die die Preise im nahegelegenen Stuttgart nicht mittragen wollen und können. Eine neue Mall entsteht, die nicht nur das Bahnhofsviertel, sondern die ganze Innenstadt aufwerten soll – und den Konsum von der grünen Wiese zurück ins Zentrum holt.

Gentrifizierung, Privatisierung von Sozialbauten, Immobilienblase sind alltäglich gewordene Reizwörter. Und nicht zuletzt soll ausgerechnet die schwäbische Wohnkultur den Berlinern ihre Schrippe genommen haben.

Mit der architektonischen Moderne (spätestens) ist das Wohnen und die Gestaltung von idealem Nutzraum zum politischen, gesellschaftlichen, sozialen Schauplatz geworden – ideologisch oft überfrachtet. Zahlreiche Universalkonzepte, Modelle, Utopien wurden entwickelt, alle mit dem Anspruch, das alltägliche Leben zu regeln, zu organisieren, am besten zu lösen: Wie und wo sollen wir arbeiten, einkaufen, uns erholen, wohnen? Welche Bauformen sind ideal? Die Lösungsansätze sind ebenso vielfältig wie umstritten, ebenso variabel wie kontinuierlichen Veränderungen unterworfen. Und in ihrer Mitte stehen stets Bewohner in ihren sozialen Beziehungen und Bedürfnissen, die sich in den unterschiedlichsten „Raum-Nutzungs-Angeboten“ zurecht finden müssen.

Wohnen – zwischen öffentlich und privat, sozial und politisch, Individualität und Gemeinschaft, Gegenwart und Zukunft?

Die Ausstellung

Die Ausstellung lenkt den Blick der Betrachter auf die Bedeutung unseres gebauten und bewohnten Umraums. Ziel ist es, den Blick zu schärfen für die uns umgebenden räumlichen Strukturen und die sie prägenden architektonischen Formen. Dabei erfolgt die Annäherung an das Thema bewusst nicht aus architekturpraktischer Perspektive. Vielmehr erfolgt die Annäherung an diese Fragen aus einer anderen Richtung, der besonderen Verbindung von Kunst und Architektur. Dadurch wird es nicht nur möglich, den Blickwinkel zu wechseln und aus einer neuen Perspektive an die Thematik heranzutreten, sondern es wird auch ein breiteres Publikum über den fachlichen Kreis hinaus angesprochen: Aus der Verbindung von architektonisch-urbanistischer Beobachtungen mit „allgemeinen“ Erfahrungen wird die Problematik in einer breiteren lebensweltlichen Wahrnehmung verortet werden.

Auf diese Weise spannt die Ausstellung ein vielschichtiges Spannungsfeld von Mensch und Umraum, von Gebautem, Stadt und Raum(aus)nutzung auf, das neue Perspektiven, überraschende Einsichten, spannende Denkräume eröffnet, ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit Anregungen zur kritischen Reflexion.

Fünf Künstler werden eingeladen, sich aus ihrer individuellen künstlerischen Position heraus mit dem Themenkomplex zu beschäftigten. Mit unterschiedlichen künstlerischen Medien und Herangehensweisen entwickeln sie verschiedene Sichtweisen auf die Thematik. Dabei zeichnen sich zwei zentrale Blickrichtungen ab – zum einen die Hinterfragung der nach wie vor global dominierenden modernen Bauformen, zum anderen die individuelle Perspektive auf das „Heim“, das Sich-Heimisch-Fühlen. Vor Ort werden die Kunstwerke so inszeniert, dass sie nicht nur miteinander in Kommunikation treten, sondern auch auf den umgebenden Ausstellungsraum reagieren und besondere Sicht- und Denkachsen entwickeln.

Ergänzt werden die Kunstwerke durch (kurze) narrative Texte, die Beispiele für Raum- und Wohnkonsum aus aller Welt anführen. Sie eröffnen eine zweite Denk-Ebene in der Ausstellung: Neben den „Kunstraum“ tritt ein „Denkraum“.

Neben dem Vor-Ort-Erleben der Ausstellung ist die Vermittlung der Inhalte mit den Mitteln des Social Webs (Webseite, QR, Facebook) zentrales Element der Ausstellung.

(in)habitanCITY greift einen Themenkomplex auf und führt ihn fort, der mit (In)Visible Cities (Kunstverein Ettlingen, 2011, Wolfgang-Hartmann-Preis) und Gesichtsverlust | Be(com)ing (in)visible (Kunstverein Viernheim 2012) eingeleitet wurde. Das Ausstellungsprojekt ist eine Kooperation des Böblinger Kunstvereins mit der Heidelberger Kuratorin Simone Kraft, deren Arbeit sich der besonderen Verbindung von Kunst und Architektur widmet.

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