Peter Braunholz

*1963, lebt und arbeitet bei Frankfurt
www.peterbraunholz.de

Peter Braunholz, Individualization

Individualization (c) Peter Braunholz 

Einige deiner Serien beschäftigen sich mit Architektur – Individualization etwa, eine Serie, die in der Frankfurter Ernst-May-Siedlung aus den 1920er Jahren entstanden ist und den menschlichen Individualisierungsbestrebungen nachspürt: Zu sehen sind Frontansichten der standardisierten Hauseingänge, die von ihren Bewohnern doch sehr unterschiedlich gestaltet werden. Was interessiert dich an der Fotografie von Architektur?

Dass der Mensch sich seine Umgebung zu eigen macht und wie er sie nach seinen Möglichkeiten gestaltet, fasziniert mich. Es sagt viel über die Menschen und ihre Gesellschaft aus. Im Sommer 2009 kam ich in Frankfurt-Praunheim in die Ernst-May-Siedlung. Dort erinnerten mich die skurril gestalteten Eingänge der Häuser daran, dass ich das Thema „Individualisierung“ ein Jahr zuvor fotografisch umsetzen wollte, aber keine geeigneten Motive fand. Als ich nach der Umsetzung des Projekts die Geschichte der Siedlung noch genauer recherchierte, stellte sich heraus, dass meine Serie über die individuell gestalteten Hauseingänge dieser berühmten Bauhaus-Siedlung meinen inhaltlichen Ansatz umfassender trifft, als ich mir gewünscht hatte.

Welche Ziele verfolgst du mit deinen Arbeiten?

Im Mittelpunkt steht die Beschäftigung mit der Form. Ich möchte bislang unentdeckte Anmutungen der Wirklichkeit schaffen und gleichzeitig die ästhetischen Möglichkeiten der Fotografie ausloten – ohne zu inszenieren oder zu manipulieren. Die Beweiskraft der Fotos soll erhalten bleiben, denn ich will etwas über die Realität aussagen, die ja weitaus vielschichtiger ist, als wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Meine Arbeiten sollen hinter das blicken, was wir als Wirklichkeit annehmen. Es ist eine Form von Transzendenz. Kunst ohne Transzendenz, ohne tiefere inhaltliche oder gestalterische Ebenen, interessiert mich weniger. Die Form steht aber immer im Mittelpunkt. Ich möchte Bilder schaffen, deren Ursprung und Inhalt sich auch mal nicht auf den ersten Blick erschließt, eine Weile rätselhaft bleibt. Unsere Umgebung ist voller Rätsel. Warum beispielsweise können sich unter bestimmten Voraussetzungen die Strukturen von Fleisch, Eis und Holz zum Verwechseln ähneln? Im Kleinen wie im Großen? Warum trifft dies ebenso auf Haut, Schnee und Sand zu? Diese Themen faszinieren mich. Ich will in das Wesen der Dinge vordringen.

Das Gebaute ist nur eine Facette deines Interesses. Mit welchen anderen Themen beschäftigst du dich?

In fotografischer Hinsicht interessiert mich wie gesagt vor allem das Wesen der Dinge und der Blick hinter unsere gewöhnliche Wahrnehmung. Manchmal auch das „Surreale im Realen“. Mich interessieren Orte, wo „etwas nicht stimmt“ oder dies so scheint. Mit der Zeit habe ich gesehen, dass die Architektur ebenso wie die Natur, aber generell auch die Übergange, Spannungsverhältnisse und Differenzen zwischen verschiedenen Themen und Orten auch neue Themen und Motive bieten.

Es kommt auch vor, dass ich Menschen fotografiere. Das sind aber fast immer Auftragsarbeiten, wie hier ein Porträt des berühmten Architekten Albert Speer am Frankfurter Flughafen.

Und wie findest du diese Motive und Themen?

Henry Cartier-Bresson sagte: „Fotografie … ist eine Art zu leben.“ Das trifft für mich auch in dem Sinne zu, dass mein Leben fast völlig von der Fotografie in Anspruch genommen wird. Dieser manische Aspekt des Fotografendaseins ist für mich selbst, aber vor allem wohl für Menschen, die mich begleiten, oft anstrengend. Selbst wenn ich gerade etwas tue, was mit Fotografie nichts zu tun hat, ist mein Unterbewusstsein offen für Motive und Themen, die Augen sind immer wach. Es gibt dann Orte oder Begebenheiten, auf die mein Blick fällt und die eine starke Anziehungskraft auf mich ausüben. Wenn sie stark genug ist, wird ein fotografisches Projekt daraus, entweder als Einzelbild oder als Serie.

Was ist deiner Meinung nach charakteristisch für deine Arbeit?

Ich arbeite mit dem Wesen der Fotografie, objektbezogen, bin dem Wesen der Dinge auf der Spur und gebe mich immer wieder anderen gestalterischen Wegen und Themen hin. Auch wenn ich weiß, dass Künstler, die sich als “Marke im Kunstmarkt” verstehen und einen starken Wiederkennungseffekt in ihren Arbeiten generieren, es generell leichter haben. Menschen akzeptieren vertraute Gestaltungsmuster generell leichter und rascher als unbekannte. In meiner Arbeit kümmert mich das aber nicht. Ich nehme mich den Themen an, die mich interessieren, unabhängig von Marketingaspekten.

Auszüge aus einem Interview mit deconarch.com – lesen Sie das vollständige Interview!

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