Leben im Museumsdorf

Leben im Museumsdorf

Seit 2000 gibt es im Süden Koreas das Dorf Dogil Maeul – das „Deutsche Dorf“. Es wurde gegründet für koreanische Gastarbeiter, die in den 1960er und 1970er Jahren zu Tausenden nach Deutschland kamen, als Krankenschwestern und Bergarbeiter – im Gegenzug erhielt Seoul günstige Kredite der Bundesregierung – und von denen viele im Rentenalter den Wunsch äußerten, in die Heimat zurückzukehren.

Mittlerweile gibt es dort knapp 40 Häuser, weiß getüncht, zweistöckig, mit roten Walm- oder Satteldächern, davor Gärten mit Rasenflächen, niedriger Umzäunung und Außenbeleuchtung. Typisch deutsch eben. Nur Gartenzwerge gibt es nicht mehr, die werden zu oft geklaut.

Dogil Maeul ist eine Attraktion für Touristen aus den nördlicheren Landesteilen, sie kommen zu Tausenden am Wochenende und im Oktober, wenn stilecht Oktoberfest gefeiert wird. Mit nicht immer angenehmen Folgen für die Bewohner: Gärten werden zertrampelt, Häuser ungefragt betreten, wenn Türen offen sind. Die Bewohner werden angegafft, fotografiert, mit Fragen belästigt.

Viele Bewohner tun sich schwer mit dieser neuen „Heimat“ – sie leben in einem Museumsdorf.

Die Filmdokumentation „Endstation der Sehnsüchte“ (2009) spürt den Wünschen und Sehnsüchten von Bewohnern von Dogil Maegul nach und setzt sich am Beispiel einiger Einzelschicksale kritisch damit auseinander.

Quelle: Manfred Ertel, Deutsches Dorf in Südkorea: Heimatlos in Ostgermanien, online in: http://www.spiegel.de/politik/ausland/suedkorea-das-deutsche-dorf-in-dogil-maeul-a-842756.html, 08.007.2012.

(c) SK

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